Conestoga

Mitglieder der Sekte der Herrenhuter, die 1751 in Amerika siedelten, hatten sich in der Nähe der Conestoga-Indianer niedergelassen. Ihre Stadt hieß zunächst Conestoga, später dann Lancaster. Die Deutschen, die sich dort niedergelassen hatten, waren vor allem hervorragende Stellmacher. Aus dem in Deutschland üblichen Bauernwagen entwickelten sie den sogenannten Conestoga-Wagen.

Er war als Frachtwagen gedacht. Der Wagenlenker saß auf einem der Zugpferde oder stand auf einem Trittbrett, das am Wagen befestigt war. Die Räder des Conestoga waren leuchtend rot gestrichen, der Wagenkasten preußisch blau, und die Plane strahlte in hellem Weiß. Es wird sogar behauptet, daß diese Farbgebung Einfluß auf die Farben der amerikanischen Fahne hatte. Dieser Wagen verdrängte rasch die damals üblichen Packpferde.

Benjamin Rush schreibt in seinem Buch "Die Sitten und Gebräuche der deutschen Einwohner Pennsylvaniens": "Der Conestoga-Wagen ist ein geräumiges, stabiles Gefährt....überwölbt von einer Leinenplane. Er ist ein wesentlicher Bestandteil jeder deutschen Farm. Die deutschen Farmer bringen mit diesem Wagen, der durch vier oder fünf speziell dafür gezüchteten Pferden gezogen wird, ihre Produkte zum Markt. Zwanzig Zentner Last können damit selbst über schlechte Wege befördert werden. In den Monaten September und Oktober kann auf den Wegen um Lancaster und Reading an einem Tag zwischen 50 und 100 dieser Wagen auf ihrer Fahrt nach Philadelphia sehen." 1789 nennt ein amerikanischer Chronist den Conestoga-Wagen bereits "Ship of inland commerce" (Schiff des Innenhandels). Aus diesem Begriff entwickelte sich im Laufe der Zeit der Name "Prairie-Schoner."
Der für diesen Wagen gezüchtete Pferdetyp, das Conestoga-Pferd, konnte bis zu dreißig Zentner ziehen. Im Geschirr trugen die Pferde kleine Glocken, die ein Statussymbol waren. Wenn ein Kutscher seinen Wagen in den Graben gefahren hatte oder im Schlamm festsaß, nahm er die Glocken ab, um anzuzeigen, daß er Hilfe brauchte. (Auf den Highways des modernen Amerika öffnen havarierte Automobilisten die Motorhauben ihrer Fahrzeuge zu eben demselben Zweck.) Der Conestoga sollte eine große Rolle in der Geschichte der USA spielen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in und um Philadelphia schon über 1000 dieser Wagen. Für sie wurde die erste Landstraße Nordamerikas gebaut. Sie führte von Lancaster nach Philadelphia, war 100 km lang und besaß eine Oberfläche aus zerkleinerten Steinen.
1754 wurden Conestogas von General Braddock im Kriege gegen die Franzosen und Indianer eingesetzt. 150 Wagen und 1500 Pack- und Reitpferde waren im Einsatz. Bei Braddocks Feldzug gegen Fort Duquesne versorgten Conestoga-Wagen die englischen Streitkräfte mit dem nötigen Nachschub. Für die Pioniere wurde der Conestoga-Wagen rasch zum Symbol für ihren Weg nach Westen. Sie verluden ihr gesamtes Hab und Gut in die geräumigen Wagen und überquerten mit ihnen den riesigen Kontinent. Der Conestoga war groß genug, um den gesamten Haushalt einer Familie in sich aufzunehmen. Er beförderte Hausrat, Bekleidung, Wasserfäßer, Saatgut, Werkzeuge und Ackergerät und Unmengen von Vorräten für den langen Weg in die neue Heimat. Ohne den Conestoga wäre eine derart schnelle Besiedelung des amerikanischen Westens überhaupt nicht möglich gewesen. Versuche, sich mit anderen Vehikeln auf den langen Weg zu machen, sind fast immer gescheitert.

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